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Alkoholfreies Bier als Sportlergetränk?

Nach dem Sport ein alkoholfreies Bier – das gönnen sich gerade Männer gerne. Aber ist das Getränk dafür überhaupt geeignet? Wir haben nachgefragt
von Sophie Kelm, aktualisiert am 07.11.2017

Alkoholfreies Bier: Als Durstlöscher geeignet?

iStock/Sjlocke

Ein hartes Match. Ein verdienter Sieg. Und dann die verbrauchten Reserven gemeinsam mit dem Sportsfreund auffüllen – mit einem kühlen, köstlichen und alkoholfreien Bier. Das klingt nach Leben. Das schmeckt nach Glück.

Schöne Vorstellung, aber was sagen Mediziner dazu? "Viele alkoholfreie Biere sind isoton, dadurch können sie einen Wasser- und Mineralstoffverlust nach dem Sport schnell ausgleichen", erklärt Professor Daniel König, Sportmediziner und Leiter des Arbeitsbereiches Ernährung am Institut für Sport und Sportwissenschaften der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Oft steht auf der Flasche, wenn das Getränk isoton ist, ansonsten lässt sich das erfragen.

"Außerdem liefert alkoholfreies Bier unter anderem den Zucker Maltodextrin und füllt somit die unter Anstrengung geleerten Glykogenspeicher wieder auf", ergänzt Sportmediziner Dr. Johannes Scherr von der Technischen Universität München, Lehrstuhl für Präventive und Rehabilitative Sportmedizin. Das Getränk ist also erlaubt nach Tennismatch und Fußballtraining.

Überraschend kalorienarm

Alkoholfreies Bier ist ein relativ kalorienarmes Getränk, vergleichbar mit Apfelschorle. Wer einen halben Liter alkoholfreies Pils trinkt, führt sich zwischen 100 und 150 Kilokalorien zu. Zum Vergleich: Normales Pils hat fast doppelt so viele Kalorien wie die alkoholfreie Variante und ist wegen des Alkohols sowieso ein ungeeignetes Sportlergetränk. "Wer Sport treibt, um Gewicht zu verlieren, der ist mit einem stillen Mineralwasser am besten beraten", so König. Dieses Getränk empfiehlt er auch für das Trinken während des Sportes, weil: "Kohlensäure kann beim Sport unangenehm sein."

Wenn man sich wirklich viel bewegt und ordentlich geschwitzt hat, kann es sich lohnen, ein mineralstoffreiches Mineralwasser zu trinken. Es ist aufgrund der Zusammensetzung günstiger als Leitungswasser. Vitamine liefern allerdings beide Getränke nicht. "Alkoholfreies Bier beinhaltet neben Kalium und Magnesium zum Beispiel auch Vitamine der B-Gruppe", vergleicht König. "Dafür aber leider zu wenig Natrium", bemängelt Scherr.

Hochleistungssportler brauchen auch Kohlenhydrate

Ein weiterer Inhaltsstoff von alkoholfreiem Bier sind die Polyphenole, sekundäre Pflanzenstoffe. Eine günstige Eigenschaft des Stoffes meint Scherr mit seinem Team im Rahmen einer Studie aufgedeckt zu haben: Die eine Gruppe seiner Probanden trank zwei Wochen vor einem Marathon täglich 1 bis 1,5 Liter alkoholfreies Weizenbier. Die andere Gruppe erhielt ein polyphenolfreies Placebogetränk.

Die Personen mit dem alkoholfreien Bier hatten nach der großen Anstrengung des Marathons deutlich weniger Entzündungsmarker im Blut und erkrankten seltener an einem Infekt, als Mitglieder der Kontrollgruppe. "Den Erfolg führen wir auf die Polyphenole zurück. Mit einem so deutlichen Ergebnis hatten nicht einmal wir selber gerechnet", erzählt Scherr. Auch König hält die Studie für seriös und aussagekräftig.

Nach einem Tennismatch oder der Walkingrunde hat der Körper natürlich lange nicht so gelitten wie nach einem Marathon. "Da reicht mit Sicherheit auch Mineralwasser", so Scherr. Aber wer Hochleistungssport betreibt, muss unterwegs auch die Kohlenhydratspeicher auffüllen. Neben alkoholfreiem Bier eignet sich zum Beispiel auch Apfelschorle, im Mischverhältnis von einem Teil Saft zu drei Teilen Mineralwasser. Es gibt auch spezielle kohlenhydrathaltige Sportlergetränke. Hier sollte man sich am besten beraten lassen.

Tabu für Kinder und trockene Alkoholiker

Für Kinder oder trockene Alkoholiker sollte alkoholfreies Bier übrigens tabu sein. Das liegt nicht so sehr an dem kleinen Teil Restethanol (bis zu 0,5 Volumenprozent), der immer noch enthalten ist. Selbst in vielen Fruchtsäften steckt aufgrund der Vergärung etwas Alkohol und eine derart geringe Menge kann nicht betrunken machen. Aber alkoholfreies Bier sieht und schmeckt dem echten – also dem alkoholhaltigen – Getränk so ähnlich, dass es die Hemmschwelle herabsetzen kann und den Griff zur Flasche womöglich erleichtert.



Bildnachweis: iStock/Sjlocke

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